Hörstel: Vier Jahrhunderte Familiengeschichte lückenlos recherchiert
Hörstel: Vier Jahrhunderte Familiengeschichte lückenlos recherchiert

Stolz hält der 10jährige Felix die Chronik der Familien Huesmann und Veismann in der Hand, die sein Großvater Horst Stegemann erstellte. Diese schenkte der Großvater die Chronik Agnes Husemann, Felixs Großmutter mütterlicherseits, denn Agnes Huesmanns Tochter Angelika ist mit Horst Stegemanns Sohn Klaus verheiratet.
(Foto: Marianne Sasse)
Von Marianne Sasse
Hörstel. Ein außergewöhnliches Weihnachtsgeschenk – eines, das man weder im Kaufhaus bekommen noch im Internet ersteigern kann – hat Horst Stegemann aus Saerbeck Agnes Huesmann, geborene Veismann, aus Hörstel geschenkt. Es ist eine lückenlose Familienchronik über vier Jahrhunderte. Ein Jahr lang investierte er insgesamt rund 800 Arbeitsstunden, um diese Chronik über die Familien Huesmann und Veismann zu erstellen.
Horst Stegemann befasst sich seit dem Jahr 2003 intensiv mit der Familienforschung und hat in Abständen von jeweils einem Jahr vier abgeschlossene größere Familiengeschichten fertiggestellt. Sein bewegendstes Erlebnis bei der Familienforschung war, dass es ihm gelungen ist, die Kriegsgefangenenunterlagen seines Vaters aus dem Moskauer Zentral-Archiv zu erhalten. „Danach konnte ich ausführlich über die Gefangenschaftsjahre meines Vaters berichten. Aber vor allem darüber, welche Möglichkeiten die modernen Medien heute bieten, damit auch andere Betroffene, die mehr über die leidvolle Vergangenheit ihrer Väter oder Onkel erfahren möchten, diese auch gezielt nutzen können“, erzählt der Familienforscher.
Warum schenkte er der 88-jährigen Agnes Huesmann eine Chronik? Die Antwort ist einfach. Sein Sohn Klaus ist mit Agnes Huesmanns Tochter Angelika verheiratet und diese wiederum haben den zehnjährigen Sohn Felix. Für Felix, seinen Enkel, hat Horst Stegemann die Chronik eigentlich erstellt. Aber bis dieser den ideellen Wert dieses Geschenkes in ganzem Ausmaß erkennt, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen. Felix‘ Großmutter Agnes Huesmann und ihre Kinder freuten sich sehr über die Chronik, die Horst Stegemann ihnen am dritten Adventssonntag als gebundenes Buch überreichte. Alle blätterten gerne in dem Buch, das nicht nur Daten, sondern auch historische Fotos und Fotos von Familienangehörigen, Totenbildchen und Abbildungen von Dokumenten enthält.
Die Familie Huesmann hat Horst Stegemann bis ins Jahr 1613 lückenlos zurück verfolgt, Familie Veismann bis 1620. Die Informationen stammen aus Kirchenbüchern, aber auch aus städtischen Archiven. Allein im bischöflichen Archiv in Münster, wo die Kirchenbücher des Bistums lagern, hat er zwölf Wochen lang jeden Montag verbracht, um dann an den anderen Tagen der Woche die gefundenen Ergebnisse auszuwerten und einzuordnen.Die unmittelbaren Vorfahren der Familie Veismann stammen aus Schapen, das zum Bistum Osnabrück gehört. Diese Kirchenbücher lagern unter anderem im Archiv in Meppen. Auch dort grub sich Stegemann mehrere Tage in die alten Schriften ein.
„Sütterlin muss man lesen können“, sagt der Familienforscher. „Ohne diese Schriftkenntnisse kann man die Einträge in den alten Kirchenbüchern nicht entziffern.“ Ab 1613 stammen vier Generationen der Familie Huesmann aus Emsdetten. Im Jahr 1738 hat sich ein männliches Mitglied des Emsdettener Familien-Verbandes in Nordwalde angesiedelt, bis vier Generationen später der Nachfahre Franz Huesmann, über Hopsten kommend, sich aus beruflichen Gründen in Hörstel niedergelassen hat.
Er war Müllermeister und hat Knollmanns Mühle über 50 Jahre betrieben, bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1930. Sein Sohn Bernhard, der Schwiegervater von Agnes Huesmann, war auch Müller und betrieb die Mühle weiter bis etwa 1947. Auch ihr Mann Franz, der 2003 verstorben ist, erlernte noch den Beruf des Müllers, wechselte dann aber zur Deutschen Bundesbahn.
Nicht immer geht es bei der Suche nach den Altvorderen problemlos zu. Das weiß Horst Stegemann nur zu gut. „Irgendwann taucht das ‚schwarze Loch’ auf“, erzählt er. Wenn zum Beispiel ein Mann heiratet und aus einer anderen Gemeinde komme, stehe nicht zwangsläufig dabei, woher er stammt. Ein solches Problem tauchte bei der Familie Veismann auf, als ein 26-jähriger Ahn im Jahr 1825 in Schapen heiratete und sein Geburtseintrag im Mesumer Kirchenbuch nicht zu finden war. Letztendlich hat er diesen Ahn über das standesamtliche Sterberegister der Gemeinde Schapen, das seit der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 in Spelle lagert, gefunden. Dort waren auch die Namen seiner Eltern eingetragen.
Danach endlich konnte auch dieser Teil der Familienchronik durchgehend erarbeitet werden. Glück dabei, dass Rheinenser Familienforscher den Vorfahren der Familie Feismann in Mesum bereits große Beachtung geschenkt hatten und Stegemann dort auf eine erforschte Generationenfolge zugreifen konnte.
„In Preußen wurden Standesämter erst 1874/75 eingeführt“, weiß der Familienforscher zu berichten, „davor gibt es weitgehend nur Kirchenbücher zum recherchieren. Mit dem ersten Kirchenbuch wurde zum Beispiel in Emsdetten im Jahr 1648 begonnen, in Hörstel im Jahr 1836. Zuvor gehörte Hörstel zur St.-Kalixtus-Gemeinde in Riesenbeck.“
Bei der Familie Veismann ist auch die Schreibweise eine Besonderheit. Ursprünglich stammt die Familie aus Mesum und schrieb sich Feistmann, so noch heute in Mesum. Dann zog ein Zweig der Familie nach Schapen und wurde zu „Feismann“. Weiter fand der Familienforscher heraus, dass bei der Heirat von Agnes Huesmanns Eltern im Jahr 1916 in Hörstel, der Standesbeamte aus dem „F“ ein „V“ machte. Bis heute schreiben sich die Nachfahren dieses Zweiges der großen Familie in Hörstel mit „V“.
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